FERRUM 05/2017

19 05 / 2017 05 / 2017 18 SERVICE Foto: mauritius images Ab Oktober gelten für den Freizeitspaß strengere Vorschriften – ein Überblick. Aufgepasst be  im Drohnenflug Wie muss ich die Drohne kennzeichnen? Wiegt der Flieger mehr als 250 Gramm, muss er mit dem Namen und der Adresse des Besitzers gekennzeichnet werden. „Die Plakette muss gut sichtbar, dauerhaft und feuerfest sein“, erläutert Sonnenschein. Brauche ich einen  Drohnenführerschein? „Für Drohnen mit einer Startmasse ab zwei Kilogramm benötigt man einen Kenntnisnachweis“, erklärt Sonnenschein. Man bekommt diesen bei einem Verband oder Verein, das Mindestalter dafür be- trägt 14 Jahre. Den Schein braucht man auch, wenn der Flieger höher als 100 Me- ter steigen soll, selbst wenn das Gewicht unter der Zwei-Kilogramm-Marke liegt. Ausnahme: „Auf einem Modellfluggelän- de mit Aufstiegserlaubnis gelten diese Einschränkungen nicht“, sagt Sonnen- schein. Dort können also alle ohne jeden Kenntnisnachweis unbegrenzten Flugspaß genießen. Bonn / Düsseldorf. Sie sind der letz- te Schrei in Sachen Hightech-Spielzeug: Freizeit-Drohnen. Doch: „Auch wenn diese sogenannten Flugmodelle harmlos ausse- hen, gelten sie als Luftfahrzeuge und fal- len damit unter die Luftverkehrsordnung“, sagt Carl Sonnenschein, Verbandsjustizi- ar beim Deutschen Modellflieger Verband (DMFV). Man sollte sich also unbedingt an die Spielregeln halten. Seit April 2017 wurden die Regeln verschärft, allerdings besteht teilweise noch eine Übergangs- frist: Spätestens ab 1. Oktober 2017 gibt es jedoch kein Pardon mehr. Brauche ich eine Flugerlaubnis? Die Antwort ist wie so oft: Das kommt darauf an. „Nur kleinere Geräte unter fünf Kilogramm Gewicht und ohne Verbren- nungsmotor dürfen ohne Erlaubnis betrie- ben werden“, erklärt DMFV-Experte Son- nenschein. Ansonsten benötigt man eine Genehmigung der zuständigen Luftfahrt- behörde. Um Überraschungen zu vermei- den, sollte man also vor dem Kauf einen Blick auf die technischen Daten werfen. Richtig versichert? „Unabhängig von der Genehmigung benötigen alle Luftfahrzeuge, also auch Spielzeugdrohnen, eine Luftfahrthaft- pflichtversicherung“, sagt Justiziar Son- nenschein. Das steht im Luftverkehrsge- setz. Die private Haftpflichtversicherung greift hier oft nicht. Man braucht also eine Extra-Police. Die bekommt man am einfachsten, wenn man in einen entspre- chenden Verein eintritt. Grundsätzlich haftet nämlich der Hal- ter der Drohne für alle Schäden, die das Gerät anrichtet. Deshalb sollte man auch besondere Vorsicht walten lassen, wenn Junior mit der Drohne spielt. Gut zu wissen: Verkauft man beispiels- weise per Drohne geschossene Fotos, gilt das nicht mehr als private Nutzung. Die Folge: Der Flieger gilt als gewerbli- che Drohne und benötigt eine spezielle Versicherung. Wo darf ich starten und landen? Klar, dass man Nachbars Grundstück nicht einfach so als Startplatz nutzen darf. „In Wohngebieten benötigt man das Einverständnis sämtlicher Grundstücksei- gentümer, deren Grundstücke überflogen oder für Start und Landung genutzt wer- den sollen“, erklärt Sonnenschein. Kreist die Drohne ausschließlich über dem eige- nen Garten, kann man natürlich machen, was man will. Recht Startklar: Auf öffentlichem Grund braucht man eine Erlaubnis. Doch was ist mit öffentlichem Grund? „Auch hier besteht grundsätzlich Erlaub- nispflicht“, sagt der Jurist. Absolut tabu sind Drohnenflüge über Naturschutzge- bieten, militärischen oder polizeilichen Einrichtungen und natürlich Gefängnis- sen. Auch über wichtigen Infrastruktur- einrichtungen wie beispielsweise Indus- trieanlagen, Krankenhäusern, Behörden, Konsulaten sowie über Fernstraßen und Bahnanlagen darf die Drohne nicht stei- gen. „Hier muss man einen seitlichen Sicherheitsabstand von 100 Metern ein- halten“, erklärt Sonnenschein. Vorsicht auch auf Segel- oder Sport- flugplätzen, denn die sind juristisch nor- malen Flughäfen gleichgestellt. Menschenansammlungen Egal ob Party oder Sport-Event: „Das Fliegen über Menschenansammlungen ist generell verboten“, sagt Sonnenschein. Das gilt auch bei Unfällen und anderen Unglücksorten, in Katastrophengebie- ten oder bei Manövern und Übungen der Sicherheitskräfte. Hier muss ein seitli- cher Sicherheitsabstand von mindestens 100 Metern eingehalten werden. Wie steht es mit Nachtflügen? Im Schutze der Dunkelheit darf ohne Genehmigung gar kein Modell in die Luft gehen. „Jede Art von Nachtflug ist erlaub- nispflichtig“, sagt Sonnenschein. Flüge mit Videobrille Beliebt sind sogenannte FPV-Flüge, bei denen man mit einer Videobrille die Welt mit den „Augen“ der Drohne sieht. Bei Modellen bis 250 Gramm und Flughö- hen bis maximal 30 Metern ist das auch kein Problem. Ist die Drohne schwerer, gilt das aber nicht mehr. Dann muss eine zweite Person danebenstehen, die auf- passt, was rundherum angesaust kommt, im Juristendeutsch: Man braucht einen „Luftraumbeobachter“. Steigt der Flieger, unabhängig vom Gewicht, über 30 Meter hoch, sind die Regeln sogar noch strenger. Luftaufnahmen Viele Drohnen sind mit Kameras aus- gestattet. Trotzdem darf man nicht al- les aufnehmen, was einem vor die Linse kommt. Jurist Daniel Kötz von der Arbeits- gemeinschaft Geistiges Eigentum und Medien im Deutschen Anwaltverein nennt folgende Faustregel: Aufnahmen vom öf- fentlichen Raum sind okay, Aufnahmen von privaten Räumen dagegen tabu. Die Drohne darf also im Park oder am Strand filmen, sie darf aber nicht über Nachbars Garten fliegen, um zu checken, was dort gerade abgeht. Sind auf den Bildern Men- schen zu sehen, kommt es auf die Fein- heiten an. „Personen, die nur klein oder am Rande des Motivs zu sehen sind, gelten als sogenanntes Beiwerk und dürfen ohne Genehmigung aufgenommen werden“, er- klärt Kötz, der in Düsseldorf als Fachan- walt für Urheber- und Medienrecht tä- tig ist. Filmt man also beispielsweise das Seeufer und erwischt dabei ein paar Spa- ziergänger, ist das juristisch kein Problem. Richtet man die Kamera dagegen gezielt auf einzelne Personen, verstößt das ge- gen deren Persönlichkeitsrechte.

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